Source: Teleschau - September 2015

 

Robert Pattinson

Übersättigt mit Bildern

von Kerstin Lindemann

 

Auch wenn die drei Blockbuster der "Twilight"-Saga, mit denen er zum Superstar wurde, schon eine Weile zurückliegen: Der Londoner Robert Pattinson (29) gehört noch immer zu Englands heißesten Hollywood-Exporten. Schlauerweise hat der Mann neben dem verliebten Vampir Edward immer auch Rollen in anspruchsvolleren Filmen übernommen, etwa in "Remember Me" oder "Wasser für die Elefanten". Jetzt spielt er in Anton Corbijns Drama "Life" (Start: 24.9.) eine der Hauptrollen. Der Film zeichnet die Beziehung zwischen James Dean (Dane DeHaan) und dem Fotografen Dennis Stock nach, gespielt von Robert Pattinson. Am Ende der intensiven Tage, die beide Männer 1955 miteinander verbrachten, stand jene legendäre Bilderserie des "Life!"-Magazins, die zu James Deans Ikonenstatus maßgeblich beitrug. Wie er selbst mit Fotografen und Starrummel umgeht, darüber reflektiert Robert Pattinson im Interview - entspannt bei einer Tasse starkem Kaffee mit Unmengen von Honig ...

Teleschau: Eine ungewöhnliche Mischung, die Sie da trinken ...

Robert Pattinson: Mir schmeckt das wahnsinnig gut! Der Löffel muss beinahe im Kaffee stehen bleiben, dann ist er genau richtig. Bis vor kurzem dachte ich, Kaffee mit Honig zu trinken sei viel gesünder. Dann erst hat mir jemand erzählt, dass Honig genauso schädlich ist wie Weißzucker - und dass man damit auch noch die Bienen umbringt. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen. Prost!

Im Privatleben werden Sie oft von anderen fotografiert. Haben Sie für Ihre Rolle in "Life" sozusagen die Fronten gewechselt?

Dennis Stock hasste es, als Paparazzi betrachtet zu werden! Für ihn war das, was er machte, Kunst. Und er arbeitete hart dafür, dass es auch als Kunst angesehen wurde. Für mich war die Figur eher jemand, der versucht, seinen künstlerischen Durchbruch zu schaffen und dessen künstlerisches Medium zufällig die Fotografie ist. Erst bei den Dreharbeiten wurde mir klar, dass für Anton Corbijn, der ja aus diesem Bereich kommt, "Life" selbstverständlich ein Film über einen Fotografen war.

Heute wäre es nicht mehr möglich, wie Dennis Stock einen Filmstar einfach anzusprechen und zu fragen, ob man ihn fotografieren darf ...

... heute fragt einen niemand mehr. Heute zückt jeder gleich das Handy. Im Ernst: Damals musste man ein handwerklich ausgebildeter Profi sein, um gute Fotos aufnehmen zu können. Und im Anschluss musste man ebenso geschickt an deren Veröffentlichung arbeiten. Die Stimmung in der Öffentlichkeit war allerdings auch eine andere. Die Menschen verehrten Filmstars und wollten sie feiern. Sie haben schöne Bilder von Stars in Magazinen genossen. Heute ist die Welt dermaßen übersättigt mit Bildern. Deshalb müssen neue Bilder immer extremer werden, damit sie jemand anschaut. Ein schönes Bild von einem Star tut's nicht mehr. Er muss schon wenigstens betrunken darauf sein.

Wie gehen Sie damit um?

Mich stresst das durchaus noch ziemlich. Es hängt aber auch von der eigenen Tagesform ab. Hat man gute Laune, dann ist es einem egal. Ist man aber schlechter Stimmung, dann berührt es einen mehr, als es eigentlich müsste. Man läuft Gefahr, immer mehr um sich selbst zu kreisen. Ständig denkt man: "Wie sähe ich jetzt auf dem nächsten Foto aus?" Selbst wenn überhaupt niemand Fotos macht! Das macht einen manchmal verrückt. Aber zum Glück ist es um mich ja etwas ruhiger geworden ...

Das liegt an Ihrem Hipster-Bart ...

Auf jeden Fall! (lacht). Der funktioniert ganz gut als Tarnung. Neulich saß ich im Flugzeug neben einer dänischen Hockey-Juniorinnen-Mannschaft. Da hat der Bart dann nicht ausgereicht ...

Im Film versuchen die Warner-Filmstudios ein bestimmtes Image für James Dean aufzubauen. Wie ist das bei Ihnen?

Bei großen Filmen ist das heute auch so. Deshalb drehe ich inzwischen öfter kleine Produktionen. Da lastet nicht soviel Druck auf dem Regisseur und allen anderen Beteiligten. Jeder darf er selbst sein und muss sich nicht verbiegen, weil die Hierarchie eher flach ist. Und man kann sich sicher sein, die Handschrift des Regisseurs im fertigen Film zu erkennen.

Müssen Sie eigentlich noch arbeiten oder haben Sie genug Geld?

Definitiv nicht genug. Aber man wird ja nicht Schauspieler, um reich zu werden.

Sondern?

Hmm, da bin ich mir noch nicht ganz sicher (lacht). Auch während der "Twilight"-Zeit drehte ich andere Filme. Aber jeder neue Teil der Reihe war, als ob man die Reset-Taste gedrückt hätte. Wenn man so schnell berühmt wird, wie ich, dann stoppt man in seiner persönlichen Entwicklung ein wenig. Ich bin damals auf 22 stehen geblieben, stand vier Jahre quasi unter Schock. Jetzt ist das anders. Mein persönlicher und künstlerischer Entwicklungspfad kristallisiert sich langsam heraus. Das freut mich.

Würden Sie einen Karrierestart wie Ihren einem jüngeren Kollegen wünschen?

Na klar, das war schon toll! Es war aber psychisch sehr anstrengend. Das wird einem allerdings erst später klar. Ich würde dem Kollegen vermutlich raten, dass er gut auf seine geistige Gesundheit achten soll.