Source: Glamour - 2012

 

Interview mit einem Vampir

Robert Pattinson spricht über lästige Sexszenen

Robert Pattinson, Hollywoods begehrtester Filmstar, kommt am Four Seasons Hotel in Beverly Hills inmitten eines Chaos von Paparazzi und Hysterie an, welches ihn ständig begleitet. Er trägt seinen üblichen "Inkognito-Stil" - Jeans und ein dunkles Hemd - und versucht, das Hotel unauffällig zu betreten. Doch die Zeiten, in denen das möglich war, liegen weit hinter ihm. Im letzten Teil der "Twilight"-Serie ("Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2") setzt sich die turbulente Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella fort. Ebenso wie seine eigene Romanze im echten Leben mit Kristen Stewart. Im Interview spricht Robert Pattinson über das Ende einer Ära, seine Hoffnungen für ein Leben nach "Twilight" und über "all diese lästigen Sexszenen"

 

GLAMOUR: Wie war Ihr letzter Tag am Set, als alles vorbei war?

Robert Pattinson: Der letzte Tag in Kanada war ziemlich schlimm. Wir hatten ungefähr zwei Wochen lang Nachtszenen gedreht, es war eiskalt und schrecklich. Demgegenüber war der letzte Tag auf St. Thomas in der Karibik ziemlich fantastisch. Es war das einzige Mal, das wir tatsächlich bei schönem Wetter gedreht haben, wir waren am Strand und machten die ganze Nacht im Meer herum. (lacht) Das war der allerletzte Tag. Es war ein netter kleiner Abschied.

Sind Sie traurig, dass es vorbei ist?

Das weiß ich noch nicht. Ich fühle mich, als ob ich ewig in so einer Art Wirbelwind gewesen wäre, als ob ich seit Jahren ständig nur das hier gemacht hätte. Obwohl ich zwischendrin auch andere Filme gedreht habe. Wann immer ich einen anderen Film bewerbe oder darüber rede, wollen die Leute immer über "Twilight" sprechen, also dreht sich irgendwie alles nur darum. Vielleicht ändert sich das in einem Jahr oder so. Ich weiß zwar, wann der letzte Teil herauskommt und alles vorbei ist, aber momentan habe ich ein weiteres Jahr nur mit "Twilight" vor mir.

Ist das etwas, worauf Sie sich freuen? Dass der Hype vorbei ist und Sie wieder andere Filme drehen können?

Klar. Ich meine, es ist immer gut, ein wenig Hype zu erleben, besonders heutzutage. Aber irgendwie wüsste ich auch gerne, was die Menschen in ein paar Jahren von mir halten werden. Ich habe das Gefühl, als ob die Leute seit drei Jahren ständig über die gleichen Dinge reden, was mich angeht. (lacht) Also frage ich mich, wie lange das noch so weitergeht. Aber ich kann es wirklich nicht vorhersagen.

Haben Sie das Gefühl, auf diese Rolle festgelegt zu sein? Werden Ihnen auch Filme angeboten, bei denen Sie das Gefühl haben, Ihr Repertoire erweitern zu können?

Naja, ein wenig steckt man schon in dieser Sache fest. Das Gute an "Twilight" ist aber, dass Ed so ein spezieller Charakter ist... (Robert bemerkt, dass sein Reißverschluss offen ist, lacht und kommt kurz aus dem Konzept). Er ist so speziell, dass man nicht wirklich auf diese Rolle festgelegt werden kann. Es gibt eben nicht allzu viele Rollen mit netten Vampiren. Ich muss einfach vermeiden, noch einen Film mit einem netten Vampir zu drehen.

Wären Sie gerne mal Regisseur?

Vielleicht. Ich würde gerne schreiben, ich wäre wirklich gerne ein "Drehbuchdoktor". All die Bestandteile der Schauspielerei zusammenzubringen, die ich mag und dann herauszufinden, wie man aus einem Drehbuch, das nicht funktioniert, eines macht, das funktioniert. Aber dafür muss man erst mal was geschrieben haben. (lacht)

Aber als Drehbuchdoktor bekommt man keine Anerkennung.

Macht nichts. Man bekommt das Geld. (lacht)

Edward und Bella werden in diesem Film Eltern. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, Vater zu werden? War es seltsam, haben Sie sich auf Ihre eigene Kindheit bezogen?

Nicht wirklich. Der allererste Moment als Vater ist einfach zu spielen, denn auf einmal muss man ein Baby halten, und das ist ganz schön schwer. Niemand weiß wirklich sofort wie man sich als Vater verhält. Eigentlich ist es ganz einfach, jemand weint in deinen Armen und du bist deswegen sehr vorsichtig damit. Aber es war seltsam, als Mackenzie anfing, älter zu werden. Plötzlich denkst du "Wow, meine Tochter ist jetzt elf (lacht), zwei Monate nachdem sie geboren wurde. Sie kann sprechen und all das." So etwas darzustellen ist kompliziert. Ich schätze, für einige Leute wäre das der ultimative Traum, man kann all die nervigen Aspekte, die mit Kindern zu tun haben, vermeiden. (lacht)

Die Sexszenen in diesem Buch sind recht dramatisch, vor allem weil die ersten drei Bücher ziemlich unschuldig sind. Wie war es, das zu filmen?

Es ist lustig wenn Leute über die Sexszenen im Buch reden, denn da gibt es eigentlich gar keine. Es spielt sich alles nur in der Vorstellung der Leser ab. Sie denken sich "Oh, das ist aber heftig" (lacht), aber es wird immer ausgeblendet, jedes einzelne Mal. Das einzige, was gezeigt wird, sind kleine Stücke vom Danach. Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Federn: Es wird nur erwähnt, dass "danach" Federn da sind, und deswegen sind alle "Twilight“-Fans so besessen von diesen Federn. Im Film müssen die Federn unbedingt vorkommen, es ist, als ob all ihre Fantasien über diese Geschichte auf diesem einen Bild basieren. Aber die ganze Sexszene findet nur in ihren Köpfen statt. Es ist seltsam, etwas wie dieses einzigartige Ereignis zu drehen, bei dem jeder etwas Bestimmtes erwartet. Aber am Ende ist es doch nur eine Sexszene. Anderen Leuten beim Sex zuschauen wird niemals so spektakulär sein. (lacht)

 

Sind Sie neugierig darauf, wie der Film ankommt? Oder stehen Sie inzwischen darüber?

Nein, ich bin definitiv nervös. Als das letzte Buch herauskam dachte ich, 'Wow, sie (Anm. d Red: Autorin Stephenie Meyer) hat wirklich alle Erwartungen übertroffen.' Die Entwicklung der Geschichte war wirklich bizarr - und es funktioniert trotzdem. Es war wirklich mutig, es so zu machen, und es ist gut so etwas zu haben. All die anderen Filme davor folgen einem ähnlichen Muster, und dann kommt dieser letzte Teil und überrascht dich einfach.

Was ist mit der Geburtsszene, die ist im Buch ziemlich spektakulär.

Naja, ich denke, sie ist eher...

Eher ein bisschen grauenvoll.

Ja, ich denke, es war weitaus schwieriger, das jugendfrei zu halten als die Sexszenen. Man sieht in Filmen für Jugendliche ja eigentlich ständig Sexszenen. Sie drehen das Licht einfach runter und prompt ist es jugendfrei. Aber bei der Geburtsszene ist das unmöglich, denn es war eine schreckliche, grauenvolle Geburt. Während wir drehten fragten wir uns die ganze Zeit 'Wie zur Hölle soll das jugendfrei werden?' Aber ich glaube, Bill (Anm. d Red: Regisseur Bill Condon) konnte sich am Buch orientieren und dort wird Bella einfach nur vollkommen wahnsinnig vor Schmerz, also konzentriert sich die Szene darauf. Es war vor allem auch deshalb schlimm zu drehen, weil wir ein echtes Baby am Set hatten. Direkt nach diesem schrecklichen, naja, ich weiß nicht ob man das unbedingt einen Kaiserschnitt nennen sollte, wurde das Baby mit Frischkäse und Gelatine bedeckt, damit es echt aussieht. Was für eine schreckliche Einführung in die Schauspielerei, dieses Baby wird garantiert niemals Schauspieler. (lacht)

Haben Sie mit der Mutter des Babys gesprochen?

Sie war sehr nett und sehr ruhig während des Drehs. Aber es war wirklich kalt am Set und ich habe allen gesagt, sie sollen überall Heizgeräte aufstellen. Dann sind jedoch alle Fenster beschlagen und die ganze Szene war ruiniert. Aber trotzdem, dieses Baby, mit Marmelade und Frischkäse auf dem Kopf ... (lacht)

Freuen Sie sich auf den Moment, wenn dieser Ruhm, der mit 'Twilight' und all diesen 'Twilight'-Fans verbunden ist, weniger wird und Sie sich mehr auf anderes konzentrieren könnent?

Ich weiß nicht. Das ist das einzig Nervige, was meine Karriere angeht. Wenn man berühmt wird und viele Fans hat, gibt es ebenso viele Leute, die einen hassen und lästern. Ich erinnere mich an die Zeit vor 'Twilight'. Wann immer irgendwo im Internet etwas über mich geschrieben wurde, war jeder einzelne Kommentar positiv. Aber je bekannter man wird und je mehr man überall auftaucht, umso wahnsinniger macht es die Leute. Aber das Großartige an den 'Twilight'-Fans ist, dass sie alle sehr deutlich machen, dass sie uns lieben. Man hat also immer eine Armee von Leuten, die einen verteidigen. (lacht)

Schauen Sie jemals nach, was geschrieben wird, oder vermeiden Sie, überhaupt etwas über sich selber zu lesen?

Manchmal, hauptsächlich aus praktischen Gründen. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl habe, dass ich etwas Dummes gesagt habe, schaue ich nach, gucke mir die wütenden Reaktionen an und überlege, ob ich ein anderes Interview geben sollte, um gegenzusteuern. Es ist eine ständige Schadensbegrenzung.

 

Das Interview wurde im Interview eBook "Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner - The Interviews 2008 - 2011" veröffentlicht.