Focus - 24. August 2014

 

Der Befreiungskrieger

von Harald Pauli

 

"Bin gern unter durchgeknallten Typen":
"Twilight"-Star Robert Pattinson versucht, sich vom Romantik-Image zu verabschieden

 

Nein, warum sollte ich die Deutschen hassen?“, blintzelt Robert Pattinson irritiert aus seinen verschlafenen Party-Augen. Na ja, weil er doch unlängst einer britischen Zeitung gestanden hatte, dass er das Gefühl habe, „alle Deutschen“ würden ihn hassen. „Ach so“, lacht Pattinson etwas wacher, „da kam ich gerade von einer PR-Tour zu 'Cosmopolis' aus Deutschland, und im Gegensatz zu meinen anderen Filmen mochte den dort anscheinend keiner.“

Nein, natürlich habe er nichts gegen Deutsche: „Ich begann ja meine Karriere mit dem Regisseur Uli Edel und habe gerade mit Werner Herzog gedreht.“

„Cosmopolis“, David Cronenbergs Verfilmung des Don-DeLillo- Kultromans, markierte den Anfang einer Neuorientierung des heute 28-Jährigen - vom gehypten Teenie-Star der „Twilight“-Serie zu einem ernst zu nehmenden Charakterdarsteller. Als einer der bestbezahlten Jungschauspieler, der mit seinem romantischen Blutsaugen mehr als 100 Millionen Dollar verdiente, kann sich Pattinson den Rückzug von den großen Blockbuster-Produktionen auch leisten.

In Cannes, beim wichtigsten Filmfestival der Welt, wo FOCUS ihn zum Gespräch traf, präsentierte er stolz gleich zwei ambitionierte Independent-Projekte: den atmosphärisch spannenden, postapokalyptischen Thriller „The Rover“ und die schön böse Hollywood-Satire „Maps to the Stars“, die beide nun ins Kino kommen.

David Michôd, der australische Regisseur von „The Rover“, überraschte den Star erst mal: Er kannte die „Twilight“-Filme nicht und bat Pattinson zum Casting. „Davor hatte ich richtig Angst“, erzählt Pattinson, „weil ich total unsicher war, ob ich das richtig angehe oder nicht völlig danebenliege. Mit Castings per se habe ich eigentlich kein Problem, obwohl ich da immer furchtbar bin. Andererseits: Hat man eine Rolle nach einem Vorspielen bekommen, hat man viel mehr Vertrauen in sich.“

Gedreht wurde im hintersten Outback: „Eine bizarre, sehr schöne Landschaft, in der es verdammt heiß wurde.“ Die Härte dabei? „Fliegen, Myriaden von Fliegen um einen!“ Das Schönste: „Die Stille - sie zu erfahren war toll!“

„Maps to the Stars“, die zweite Zusammenarbeit mit Cronenberg, nimmt indes den Celebrity-Wahn der Traumfabrik aufs Korn. „Hollywood ist definitiv schräger als im Film, es gibt dort einfach so viele durchgeknallte Typen“, schmunzelt der Brite, der sich mittlerweile in seiner Wahlheimat L. A. wohlfühlt. „Aber das mag ich auch, ich bin gern mit solchen Leuten unterwegs. Das Schöne an den Verrückten ist, dass sie nicht lügen oder es gar nicht können oder wissen. Schlimmer sind die Opportunisten mit ihren Lügen, die weit verbreitet sind. Ich bin langsam dort hineingewachsen, habe meine Erfahrungen gesammelt. Man muss halt die richtigen Leute kennen lernen, die einen auch mit anderen Sichtweisen konfrontieren.“

Der Hobbymusiker Pattinson versucht nun ein Star-Leben unter dem Radar, geht wenig aus und entkommt, nach dem Beziehungsaus mit seiner „Twilight“-Partnerin Kristen Stewart, auch Paparazzi-Attacken. Einmal schaffte er es sogar heim nach London, ohne dass man ihn aufgespürt hätte. Da wurde Cannes geradezu zur Herausforderung: „Zweimal roter Teppich, auf dem ich acht Monate nicht mehr war. Ich konnte gar nicht mehr so lachen, wie man es für die Fotografen tun muss.“

Existenz-Kampf

Der postapokalyptische Thriller „The Rover“ eröffnet das Fantasy Filmfest, das am 27. 8. in Berlin beginnt und bis 21.9. durch sechs Städte tourt. Pattinson spielt ein Bandenmit-glied, das verletzt zurückgelassen wird. Mit dessen Hilfe versucht ein Opfer der Gang, diese aufzuspüren (ab 31. 10. dann als DVD erhältlich).