Source: Focus - 13. Januar 2009

 

Robert Pattinson

Interview mit einem Vampir

 

Am 15. Januar startet die Vampir-Romanze „Twilight“ in Deutschland. Darsteller Robert Pattinson sprach mit FOCUS-Korrespondentin Susann Remke über bissige Fans und das Unding, „schön“ zu spielen.

Focus: Mr. Pattinson, auf der Straße schreien Ihnen verzückte Fans dieser Tage „Küss mich! Beiß mich!“ zu. Es ist kaum zu glauben, dass Sie letztes Jahr noch haufenweise Hass-Mails bekommen haben, als Sie für die Rolle des Edward in der Verfilmung von Stephenie Meyers Bestsellerroman „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ gecastet wurden.

Robert Pattinson: Jeder „Twilight“-Leser – und vor allem jede Leserin – hatte einen eigenen Edward im Kopf. Mir war von Anfang an klar, dass einige mit meiner Wahl unzufrieden sein werden. Ich musste mich schnell von diesem Gedanken befreien und meinen eigenen Edward finden. Ich habe seitdem in die ganzen Internet-Fan-Foren, in welchen meine Besetzung wochenlang heiß diskutiert wurde, nicht mehr reingeschaut. Außerdem wollte ich mit meiner Interpretation der Rolle auf keinen Fall in die Ecke der kitschigen Teenie-Romanzen abdriften. Unsere Geschichte hat wesentlich mehr Tiefe. Alles dreht sich ständig um Leben, Tod, wahre Liebe, Integrität, Loyalität.

Stimmt es, dass das Casting quasi auf der Besetzungscouch stattgefunden hat?

Pattinson (lacht): Ja! Ich war zu Hause in London und wollte ursprünglich nur ein Video einschicken. Mein damaliger Mitbewohner – ein Mann – hat mir beim Drehen geholfen und die Rolle der Bella gelesen. Es war schnell klar, dass das keine gute Idee ist. Ich habe am gleichen Abend noch den Flieger nach Los Angeles genommen. Am nächsten Tag habe ich dann bei Regisseurin Catherine Hardwicke zu Hause vorgesprochen. Ich war total verblüfft, dass Kristen Stewart, die die Bella spielt, auch da war. Catherine hat uns dann vier Szenen spielen lassen, darunter die erste Liebesszene zwischen Edward und Bella. Und das auch noch auf ihrem Bett! Sie wollte unsere Chemie testen.

Wie lief es?

Pattinson: Klasse! Kristen und ich haben von Anfang an wunderbar miteinander funktioniert, obwohl ich sie wirklich furchteinflößend fand.

Warum?

Pattinson: Sie ist echt taff, und mit ihren 18 Jahren eine hervorragende Schauspielerin. Davon gibt es vielleicht noch ein, zwei andere in Hollywood. Sie weiß genau, was sie von einer Rolle will, und verteidigt ihre Position auch vehement. (lacht) Ich hingegen hatte immer das Gefühl, dass ich eigentlich absolut keinen Schimmer habe, was ich da gerade tue.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Pattinson: Ich bin schon zweieinhalb Monate vor Drehbeginn nach Portland (Oregon) gereist und dort langsam zum Einsiedler geworden. Ich wollte Edwards Einsamkeit, seine totale Isolation nachempfinden. Ich habe immer wieder die „Twilight“-Bücher gelesen, und natürlich das Drehbuch. Ich habe mich von der Sonne ferngehalten und wurde immer blasser. Außerdem habe ich vier Stunden pro Tag im Fitness-Studio verbracht und an einem Waschbrettbauch gearbeitet. Riesen Muskelpakete passten aber wiederum nicht zu meiner Vorstellung des in sich zerrissenen, verzweifelten Edwards, so dass ich immer weniger gegessen habe. (lacht) Die Produzenten fanden bei Drehbeginn meine Vorstellung von Edward dann doch etwas zu depressiv.

Wie spielt man einen Charakter, der „so schön ist, dass das Hinsehen wehtut”, wie Schöpferin Stephenie Meyer ihren überirdisch attraktiven 17-jährigen Vampir beschreibt?

Pattinson: Es ist schlicht unmöglich, ihn so zu spielen. Das wäre eine rein physische Performance, wie Modeln. Man muss auch immer bedenken, dass Edward nur aus Bellas total verliebter Perspektive der attraktivste Mann des Universums ist. Im Grunde ist er aber ein emotional völlig leerer „Mensch”, der eigentlich gar nicht leben will, aber muss, weil er unsterblich ist. Anstatt diesen überirdisch perfekten Mann aus dem Buch zu spielen, habe ich mich auf den gequälten Teil seines Charakters gestürzt – die extreme Einsamkeit, nicht wirklich zu wissen, warum man existiert. Edward ist nicht freiwillig Vampir geworden. Er ist eines Morgens als Vampir aufgewacht und hat anschließend an die 50 Menschen umgebracht, weil er nicht anders konnte. Schließlich trifft er in Bella den einen Menschen, der seinem Leben einen Sinn gibt – und will auch sie umbringen. Der Mann hat echt ein Problem!

Welche Facette von Edward war die größte schauspielerische Herausforderung?

Pattinson: Diese Aura des Gefährlichen. Dass andere Menschen instinktiv Angst vor ihm haben, aber nicht wissen warum. Das ist echt schwierig zu spielen.